Wären Zigaretten gewöhnliche Konsumartikel, müssten sich deren Hersteller schleunigst etwas einfallen lassen: Jeder dritte Raucher denkt ans Aufhören. Die letzte Zigarette verlangt allerdings Mut, die Angst vorm Aufhören ist groß und verbreitet. Dabei lohnt sich der Versuch, den Zigaretten abzuschwören, in mehrerlei Hinsicht. Geben Sie den Startschuss zum Rauchstopp!
"So geht es mit Tabak und Rum - erst bist du froh, dann fällst du um."
Diesen Satz hat Wilhelm Busch vor rund 100 Jahren geschrieben. Heute heißt das: "Statistisch gesehen haben Raucher eine niedrigere Lebenserwartung." Oder in der knappen Sprache der Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen: "Rauchen tötet." Das wissen die meisten Menschen allerdings. Die zahlreichen Argumente, die gegen den regelmäßigen Griff zur Zigarettenpackung sprechen, kennt die breite Öffentlichkeit heute.
Etwa, dass Rauchen die Lebenserwartung um durchschnittlich fünf bis sieben Jahre senkt, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gleich mehrere Krebserkrankungen steigen lässt. Auch ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass Rauchen die Haut vorzeitig altern lässt, die Zähne lockert und den Atem muffig macht. Wie sehr die Sucht auf das Portemonnaie drückt, spüren Raucher ohnehin täglich: Wer eine Schachtel pro Tag raucht, verwandelt in zehn Jahren rund 13.000 Euro in graue Luft. Der Zeitaufwand für das Rauchen von zwanzig Zigaretten pro Tag beträgt immerhin 608 Stunden im Jahr. Am wenigsten bewusst ist vielen offenbar der Schaden, den der Rauch bei Umfeld und Umwelt anrichtet - exemplarisch sichtbar an jenen Eltern, die ihre Kinder zum Mitrauchen nötigen.
Alle Jahre wieder: Gute Vorsätze
Das Wissen um die gesundheitlichen Schäden des Zigarettenkonsums allein reicht offenbar nicht aus, um Raucher und Raucherinnen zum Aufhören zu bewegen. Auch an Konzepten und Programmen zur Entwöhnung mangelt es nicht, laufend kommen neue Bücher auf den Markt, die eines gemeinsam haben: das Versprechen, den geneigten Leser endlich vom Laster zu befreien. Die Publikationen fallen auf fruchtbaren Boden: In Österreich leben rund 2,3 Millionen Raucher und Raucherinnen, jeder und jede einzelne davon hat im Jahr 2005 durchschnittlich 5.312 Zigaretten geraucht.
Ein gutes Drittel ist mit dem eigenen Verhalten unzufrieden und denkt immer wieder ans Aufhören. Einer aktuellen Umfrage zufolge haben sich 19 Prozent der paffenden Österreicher für das Jahr 2007 den Rauchstopp vorgenommen. Ein Vorsatz, der alle Jahre wieder tausendfach gefasst wird - und ebenso regelmäßig im Alltagsstress des neuen Jahres in Vergessenheit gerät. Appelle an die Willenskraft und der Versuch, den inneren Schweinehund an die Kette zu legen, ignorieren die Tatsache, dass Rauchen nicht nur Gewohnheit, sondern auch Sucht ist. Tatsächlich schaffen nur wenige Menschen den Rauchstopp ganz ohne Unterstützung.
Was wirklich wirkt
Dennoch: Welche Methode man auch wählt, die Entwöhnung von der Zigarette wird nur dem gelingen, der wirklich aufhören will. Heute weiß man, dass mit einer Kombination aus Motivation, Verhaltenstherapie - etwa in Form von Rauch-Protokollen oder Gesprächen mit Fachleuten - und Nikotinersatzpräparaten gute Chancen bestehen, sich von der Sucht zu befreien.
So sehr das Rauchen den Körper leiden lässt, so umgehend bedankt er sich für jedes Weniger an Zigaretten: Schon 20 Minuten nach dem Ausdämpfen des letzten Glimmstängels gleichen sich Herzfrequenz und Körpertemperatur der von Nichtrauchern an. Acht Stunden danach ist giftiges Kohlenmonoxid in den Blutbahnen vollständig durch Sauerstoff ersetzt.
Die Gesundheit dankt’s
Nach einem Tag beginnt das Herzinfarktrisiko zu sinken, Geruchs- und Geschmackssinn regenerieren sich und der Atem bessert sich merklich. Wer drei Monate nikotinfrei bleibt, kann sich über eine verbesserte Blutzirkulation und Lungenfunktion freuen. In den folgenden Jahren wird sich allfälliger Raucherhusten allmählich einstellen, das Risiko für Herzinfarkt und Lungenkrebs wird deutlich kleiner.
Die befürchtete Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp ist vor allem bei Frauen ein häufiges und vom Umfeld akzeptiertes Argument gegen das Aufhören. Zu Unrecht, wie neuere Untersuchungen zeigen: Vielen Neo-Nichtrauchern und -Nichtraucherinnen gelingt nach der letzten Zigarette sogar ein Gewichtsverlust. Weil sich diese Menschen für ein gesünderes Leben entschieden haben.
So kommen Sie von der Zigarette los!
In den EU-Staaten sterben pro Jahr 700.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Davon sind 300.000 nicht einmal 70 Jahre alt, alarmieren Experten. Jeder fünfte Todesfall bei den unter 70-Jährigen in der EU geht auf das Rauchen
„In
Westeuropa ist der Tabak die wichtigste Ursache für vorzeitige
Todesfälle“, betonte der Brite Richard Peto von der Universität Oxford.
Noch immer sterben mehr Männer als Frauen an den Folgen des Rauchens,
hieß es. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich das Rauchen unter
Männern früher verbreitet habe als unter Frauen. Mehr und mehr Männer
haben mittlerweile jedoch das Rauchen aufgegeben, so dass die
Sterberate bei ihnen in vielen EU-Staaten rückläufig ist. Bei den
Frauen dagegen steigt die Rate nach wie vor.
Effekt einer Zigarette
Schon eine Zigarette belastet die Blutgefäße junger Menschen deutlich.
Die Steifheit der Arterien steigt laut einer Untersuchung nach dem
Rauchen einer einzigen Zigarette um 25 Prozent. Dies zeigt, wie sehr
Tabakkonsum Blutgefäße und Kreislauf belastet. In einer Studie an der
McGill Universität in Montreal wurden junge Erwachsene mit einem
Durchschnittsalter von 21 Jahren untersucht. Diese Altersgruppe ist
einerseits besonders belastungsfähig, zählt aber auch zu genau jener
Altersgruppe, in der Tabak besonders beliebt ist. Bei Rauchern und
Nichtrauchern maßen die Forscher die Elastizität der Blutgefäße am
Handgelenk, Hals und Leiste sowohl im Ruhezustand als auch nach
Belastung. Im Ruhezustand wiesen die Arterien der Nichtraucher und die
der Raucher, die zwölf Stunden vor den Untersuchungen abstinent
blieben, keine Unterschiede auf. Anders unter Belastung: Nach Belastung
stieg die Elastizität bei den Nichtrauchern um knapp vier Prozent.
Gönnten sich die Raucher nach Bewegung eine Zigarette, so sank die
Elastizität um fast 25 Prozent. Schon leichtes Rauchen kann bei jungen
gesunden Menschen die Arterien schädigen und beeinträchtigt die
Fähigkeit des Körpers, mit körperlicher Belastung wie etwa
Stiegensteigen umzugehen, schlossen die Experten.
Sport-"sucht" gegen Zigarettensucht
Bewegung lässt Raucher auf Zigaretten weniger stark reagieren.
Insofern kann sie ihnen dabei helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen,
fanden Wissenschafter der Universität Exeter heraus. Wie die Forscher
in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift »Addiction« berichten, ließen
sie 20 Raucher entweder 15 Minuten lang sitzen oder 15 Minuten lang
Fahrrad fahren, bevor sie ihnen Bilder von Zigaretten zeigten. Dabei
verfolgten sie mit modernster Technik die Blicke der Probanden, wodurch
sie feststellten, dass die Raucher, die vorher Fahrrad gefahren waren,
länger brauchten, um die Zigarettenbilder zu erblicken. Außerdem
schauten sich diese Raucher die Bilder kürzer an. „Bilder von
Zigaretten können sehr stark auf enthaltsame Raucher wirken und es
ihnen schwer machen, sich das Rauchen abzugewöhnen“, so Kate Van
Rensburg, Hauptautorin des Artikels. „Insofern ist es interessant zu
wissen, dass selbst wenig Bewegung die Kraft solcher Bilder verringern
kann.“
Rauchertelefon hilft Schwangeren
Dreijährige Mädchen und Jungen zeigen deutlich mehr
Verhaltensstörungen, wenn die Mutter während der Schwangerschaft
geraucht hat. Zusätzlich sind Burschen vermehrt unaufmerksam und
hyperaktiv. Das alarmierende Ergebnis einer englischen Studie kam für
die Experten des österreichischen Rauchertelefons nicht unerwartet.
„Nur wenige Raucherinnen sind sich beim Zug an der Zigarette der Folgen
für sich und ihr ungeborenes Kind bewusst. Nicht nur, dass ihre Kinder
später Verhaltensauffälligkeiten zeigen können. Babys von Raucherinnen
sind oft untergewichtig. Sie neigen zu Atemwegserkrankungen, Koliken
und Allergien. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit für den plötzlichen
Kindstod deutlich erhöht“, so Alexandra Stummer, Psychologin und
Leiterin des Rauchertelefons. Von denjenigen, die während der
Schwangerschaft aufhören, fangen nach der Entbindung 56 Prozent wieder
an. Aufgrund der massiven Gesundheitsrisiken für sich und ihr Kind ist
für werdende Mütter ein sofortiger Rauchstopp besonders wichtig. Mit
dem Ratgeber »Rauchfrei für mich und mein Kind« bietet das
österreichische Rauchertelefon Schwangeren sowie deren Angehörigen
Hilfe an. Der Folder enthält Informationen und Tipps, die es werdenden
Müttern erleichtern sollen, den Rauchstopp für sich und ihr Kind zu
schaffen. Der Ratgeber kann auf der Homepage www.rauchertelefon.at oder
unter 0810 810 013 bestellt werden. Unter dieser Nummer können sich
Aufhörwillige von Montag bis Freitag zwischen 13.00 und 18.00 Uhr durch
speziell ausgebildete Gesundheitspsychologen der NÖ
Gebietskrankenkasse beraten lassen. Es werden auch Rückrufe zur
langfristigen Begleitung angeboten.
Raucherberatung in Ihrer Stadt~Apotheke
„Die Apotheke ist
für viele Raucher die erste Anlaufstelle, wenn sie aufhören möchten.
Die Beratungskompetenz unserer Apotheker spielt hierbei eine besondere Rolle. Eine individuelle
Beratung erhöht die Motivation und kann somit einen wesentlichen
Beitrag zum Erfolg der Raucherentwöhnung leisten,“ so Dr. Mag. pharm.
Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.
Gutscheine für ermäßigte Nikotinersatzpräparate liegen im Aktionszeitraum in den Apotheken auf und stehen auf www.nicorette.at zum Download bereit.











