Das Farbsehen unseres Auges funktioniert ähnlich wie eine Digitalkamera. Das einfallende Licht wird von der Linse fokussiert und fällt gebündelt auf die Netzhaut. Die Iris regelt je nach Helligkeit wie eine Blende die Lichtmenge.
Die Netzhaut hat zwei Rezeptoren, die für unterschiedliches Licht sensibilisiert sind. Über eine komplizierte chemische Reaktion erzeugen sie Impulse, die an das Farbzentrum des Gehirns weitergeleitet werden.
STÄBCHEN, ZAPFEN ...
Die einen nennt man Stäbchen: sie reagieren auf alle Farben etwa gleich und erfassen unbunte Helligkeitseindrücke. Würden wir nur mit ihnen sehen, erschiene uns die Welt schwarz-weiß. Die Zapfen sind für unser Farbsehen zuständig. Es gibt drei verschiedene Arten, die für unterschiedliche Farbbereiche empfindlich sind: für Rot, Blau und Grün. Im Gehirn werden dann die drei Farbbereiche, sowie die entsprechenden Helligkeitseindrücke zusammengeführt - wir sehen bunt. Solange es heller Tag ist, arbeiten Zapfen und Stäbchen zusammen. Mit abnehmendem Licht und Beginn der Dämmerung übernehmen immer mehr die Stäbchen das Sehen. Im Dunkel der Nacht sind dann allein die Stäbchen aktiv.
... UND VIEL HIRNSCHMALZ
Um Farben wahrzunehmen, brauchen wir allerdings mehr als nur einen funktionierenden Sehapparat. Die Signale der Zapfen werden auf den Nervenbahnen in einen wenige Quadratzentimeter großen Bereich der Gehirnrinde übermittelt. Dieser Bereich heißt wissenschaftlich "V4". Dort befindet sich unser individueller Malkasten, der uns ja nur vorgaukelt, dass wir in einer farbigen Welt leben. Dieser Malkasten kann übrigens etwa 100.000 verschiedene Farbnuancen darstellen. Wird "V4" bei einem Unfall beschädigt, verliert man auf der Stelle die Fähigkeit der farblichen Wahrnehmung. Farben sehen ist aber auch eine Frage der Erfahrung; unser Gehirn interpretiert die Lichteindrücke so, dass ein möglichst klares Bild entsteht. Selbst durch eine grüne Sonnenbrille können wir nach einer kurzen Angewöhnungszeit wieder Farben sehen, und das Gehirn korrigiert auch Unterschiede, die durch verschiedene Lichtverhältnisse entstehen. So ist die Fähigkeit, Farben zu sehen, letztlich eine ganzheitliche Leistung des Organismus.










