Flavonoide – die sekundären Pflan-zeninhaltsstoffe – sind für die Farbenpracht im Verlauf der Jahreszeiten verantwortlich. Die botanische Wissenschaft kennt rund 6.500 davon. Schon unter dem schmelzenden Schnee entstehen die ersten grünen Boten des Frühlings. Langsam richten sich helle, meist weiße, gelbe und orange Blüten nach den Sonnenstrahlen. Allmählich mischen sich auch rote, blaue, violette Farben in ein Meer von Grün.
Insekten suchen nach den farbigsten Blüten, diese wiederum überbieten sich in anbiedernder Farbenpracht um die Gunst des summenden Volkes. Aber auch Tiere kennen einander am Geruch und eben am Farbenspiel. Der Herbst befiehlt den Pflanzen ihr Chlorophyll abzubauen und nochmals blendet die Pflanzenwelt unser Auge in der Farbenpracht der Herbstfarben. Im vergänglichen Grün werfen sie nochmals alles Gelb, Rot, Blau und Braun in die Schlacht.
Flavonoide haben aber nicht nur die Funktion der Farbgebung. Die rote Tomate, die blaue Heidelbeere, die schwarze Kakaobohne sind Vertreter von flavonoidreichen Nahrungsergänzungsmittel, ja sogar Arzneimittel, denen manche Heilwirkung zugesprochen wird. Rotklee und Sojabohne gegen Wechselbeschwerden oder die Flavonoide aus Zitrusfrüchten (Daflon®), Rosskastanien (Venoruton®, Venosin®) oder Weinblättern (Antistax®) gegen müde Beine, Hämorrhoiden und Venenschwäche sind klassische Vertreter.
Weißdornblätter und –blüten sind herzwirksam, Gingkoblätter fördern die Gehirndurchblutung, Birkenblätter wirken harntreibend, Mariendistelsamen besitzen Leberschutzwirkung. Neue Studien gehen zwar davon aus, dass man die Wirkung der Flavonoide etwas überschätzt. Wer aber gesundheitsbewusst lebt, kommt an den Flavonoiden nicht vorbei - und sei es “nur” im grünen Paprika, blauen Heidelbeeren oder dann und wann einem Stück Schokolade
| ZUR INFO Die Flavonoide wurden in den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch Nobelpreisträger Albert von Szent-Györgyi Nagyrapolt entdeckt und zunächst als Vitamin P bezeichnet. Sie zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. Der Name leitet sich von lat. flavus = gelb ab, weil sie häufig, aber nicht zwangsläufig eine gelbe Farbe besitzen. |











